Streicherspiel und Serenaden

Isabelle van Keulen
  • Sonntag 18 Feb 2018 11:00
Zeughaus
Markt 42-44
41460 Neuss

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Veranstaltungsinfos

Ein großer Meister der klassischen Moderne war der Pole Witold Lutoslawski, dessen edle „Musique funèbre“ zum 10. Todestag Béla Bartóks entstanden ist. Lutoslawski war ähnlich wie Alban Berg auch „einer, der wusste, wie weit er zu weit gehen konnte“. Die Zwölftontechnik hat er in seiner aus slawischer Gefühlsquelle gespeisten Musik so gut versteckt, dass man sie oft gar nicht bemerkt. Lange vor seinem berühmten e-Moll-Violinkonzert komponierte Mendelssohn eines in d-Moll – 1822 als 13jähriger. Der erste Satz ist eine Verneigung vor Bach, im zweiten wird der eigenartig verzaubernde Melodiker Mendelssohn spürbar, im dritten zollte er der virtuosen Violintechnik seiner Zeit mit Charme Tribut.

„Ein kurzes Adagio à 2 Violini, Viola, e Baßo, zu einer Fuge, welche ich schon lange für 2 Klaviere geschrieben habe”, trug Mozart am 26. Juni 1788 in sein eigenes Werkverzeichnis ein. Das kurze, dunkel gefärbte Adagio verbindet wagemutige, radikal konsequente Stimmführung mit meisterhaft angewandter, spätbarocker Form. Dvoráks 1875 Jahr entstandene Streicherserenade setzt die Tradition der von Mozart geprägten „Abendmusiken“ auf höchstem Niveau fort. Antonin Dvorák zeigt sich darin als souveräner Schöpfer einer höchst eigenständigen musikalischen Romantik, welche klassische Formen übernimmt und mit der unwiderstehlichen Tanzlaune und der wundersamen Melancholie der slawischen Volksmusik verbindet. „Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere seine Hauptthemen zusammenklauben.“ So ehrlich und ein wenig grimmig neidvoll reagierte der zu seinen Kollegen nicht immer nette Johannes Brahms auf die Stücke Dvoráks. Mit einer sehnsuchtsvollen Kantilene beginnt das Stück. Der beschwingte, aber von leiser Schwermut durchzogene Walzer lässt daran denken, dass Dvorák eine Zeit lang in der Prager Tanzkapelle von Karel Komzák dem Älteren Viola gespielt hatte. Das Trio steigert sich zu symphonischer Expressivität. Voll virtuoser Fröhlichkeit kommt das hurtige Scherzo daher, ehe im Larghetto der ganze Empfindungsreichtum von „böhmischen Volkes Weise“ in leuchtender Schönheit ausgebreitet wird. Das tänzerische Element bestimmt das Finale.
 
Witold Lutoslawski  Musique funèbre (Trauermusik für Béla Bartók)
Felix Mendelssohn  Violinkonzert d Moll op. posth. 1822
Wolfgang Amadeus Mozart Adagio und Fuge KV 546 c-Moll
Antonin Dvorák  Serenade für Streicher E-Dur

Leitung und Violine, Artist in Residence, Isabelle van Keulen
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