Jahreszeiten

Isabelle van Keulen
  • Sonntag 27 Mai 2018 18:00
Zeughaus
Markt 42-44
41460 Neuss

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Veranstaltungsinfos

Auf Mozarts feine Spielmusik, auf ein Divertimento aus den „Salzburger Symphonien“, folgt ein Bekenntniswerk. 1939 schrieb Bartók aus Budapest: „Wenn jemand hier bleibt, obwohl er wegfahren könnte, so stimmt er stillschweigend alledem zu, was hier geschieht…“ Der leidenschaftliche Antifaschist Bartók schwankte zwischen Emigration und innerem Exil, zwischen Freiheitsdrang, der verzweifelten Suche nach Auswegen für Ungarn und der Liebe zu seiner schwerkranken Mutter. Zunächst verbrachte er allerdings Sommerwochen in Saanen im Berner Oberland, wo er das Divertimento schrieb. Bartóks karge Werkbeschreibung: „1. Satz  Sonatenform. 2. annähernd A B A. 3. rondoartig“. Die Ecksätze sind von Volkstänzen inspiriert, ohne wirkliche Zitate. Die Volksmusik Ungarns und des Balkans, die Bartók so geliebt und mit Akribie erforscht hat, wird nachempfunden, wird neu komponiert. Der langsame Satz steigert sich zu größter Intensität. Wie immer bei Bartók bleibt die Klage frei von jeglichem Sentiment, aber es ist eine Klage – die eines freien Geistes, welcher in einer Zeit der Barbarei in der Umwelt, die er zum Schaffen brauchte, nicht mehr leben konnte.

Der 200. Geburtstag  des dänischen Dichters Ludwig Holberg wurde 1884 in Skandinavien gebührend gefeiert. Edvard Grieg, zu dieser Zeit schon arriviert, komponierte zu den Festlichkeiten eine kostbare Suite, die seitdem zu den Standardwerken des Streichorchester-Repertoires gehört – zurecht, denn der bedeutende norwegische Romantiker hat hier in bezwingender Weise und mit wunderbaren Weisen barocke Musikformen mit neuen, aber passenden Inhalten gefüllt. Auf  Barockästhetik griff auch der Schöpfer des „Tango nuevo“, Astor Piazzolla, in seinen argentinischen „Vier Jahreszeiten“ zurück. Schließlich hatte er bei Nadja Boulanger in Paris klassische Komposition studiert, ehe er zu seinem eigenen, die Grenzen zwischen „ernster“ und „unterhaltender“ Musik vergessen machendem Stil fand. Vivaldi stand Pate für eine mitreißende Tango-Suite, welche die Farben und Tanzrhythmen der Jahreszeiten in Buenos Aires auf unwiderstehliche Weise zum Klingen bringt. 

Wolfgang A. Mozart  Divertimento F Dur KV 138
Béla Bartók   Divertimento für Streichorchester Sz 113 (1939)
Edvard Grieg   „Aus Holbergs Zeit“, Suite für Streichorchester  op. 40
Astor Piazzolla  Die Vier Jahreszeiten von Buenos Aires

Leitung und Violine, Artist in Residence Isabelle van Keulen