Oliver Polak - Der Endgegner

Oliver Polak der Entgegner artheater 2018
Freitag 08 Mär 2019 20:00
Savoy Theater
Graf-Adolf-Str. 47
40210 Düsseldorf

Veranstaltungsinfos

Oliver Polak ist der deutsche Humorist ohne Scham vor sich selbst oder dem Aufdecken der selbst unangenehmsten persönlichen Dramen – wie sich etwa auch in seinen Kolumnen für „Die Welt" immer wieder beweist, oder in dem via Audible abrufbaren Podcast „Juwelen im Morast der Langeweile“, den er gemeinsam mit Kollege Micky Beisenherz betreibt. Von der jüdisch geprägten Kinderstube über die Betrachtung der Welt in all ihrer Verworfenheit bis zur Verarbeitung schwerer Depressionen: Polak holt auf die Bühne, was er durchlebt hat, und hat keine Hemmungen, sich selbst zum Narr zu machen für eine gute Pointe. Er geht dabei mit Lust und Vorsatz ans Eingemachte, weil er überzeugt ist, dass sich die Tragik des Lebens oft nur mit Komik ertragen lässt. Was sich ja auch in vielen anderen Zusammenhängen beweist, etwa in seiner ebenfalls gemeinsam mit Micky Beisenherz produzierten Reihe „Das Lachen der anderen“, in der sie sich Stand-Ups zu Randgruppen wie MSKranken, Menschen mit Down-Syndrom oder HIV-Infizierte ausdenken und Polak diese sodann einem Publikum vorträgt, das ausschließlich aus der entsprechenden Randgruppe besteht. Für diese durchaus eigenwillige Betrachtung besonderer Gruppen wurden die beiden 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet – und auch Polaks andere Late-Night-TV-Show „Applaus und raus“ erhielt mit dem Grimme-Preis im vergangenen Jahr eine besondere Ehrung. Dass er darüber mit „Ich darf das, ich bin Jude“ und „Der jüdische Patient“ zwei literarische Bestseller verfasste, dass er mit seinen Shows „Jud Süß-Sauer“, „Krankes Schwein“ und „Über Alles“ in drei Ländern vor ausverkauften Häusern spielte – all dies sind Belege dafür, wie überfällig ein neuer, bissiger, gern auch mal konfrontativer Humor in Deutschland war. Er ist der impulsive Gegenpol für alle Comedy-Fans, die den deutschen Supermarktkassen-„Kennste“Humor nicht als aufklärerische Unterhaltung verkauft bekommen wollen. Polaks eigener Anspruch ist ein beständiges Hinterfragen überholter Denkmuster, der bürgerlichen Benimmregeln und ungeschriebenen Society-Gesetze, von denen er sich als Privatperson nur vehement mit artistisch-asozial artikulierten Tabubrüchen abgrenzen kann. Dies betreffend, hat Polak tatsächlich eine neue Ebene in den deutschen Humor gebracht: Er hilft dabei, gerade über die eigenen Unzulänglichkeiten und Peinlichkeiten zu lachen, die man sonst tunlichst von sich fern hält. Weil es sonst weh tut. So gesehen hat Polaks Humor tatsächlich bei aller Härte der Themen und Kompromisslosigkeit der Sprache letztlich eine heilende Wirkung: Er ermöglicht es, über das zu lachen, was eigentlich zum Heulen wäre – und dies in der gesamten Breite und Tiefe, die das moderne Leben einem nun mal abverlangt. Denn wer ist denn der „Endgegner“ in letzter Konsequenz? Wir selber.