Benjamin Moser / Roman Rabinovich KFR2020 - verlegt vom 20.05.2020

Freitag 04 Sep 2020 19:00
Folkwang-Hochschule, Neue Aula
Klemensborn 39
45239 Essen

Veranstaltungsinfos

Alexander Ullman
Sinfonie Nr. 1 in C-Dur op. 21

Roman Rabinovich
Sinfonie Nr. 2 in D-Dur op. 36

„Der Name Beethoven ist heilig in der Kunst“, schrieb Franz Liszt im Vorwort zu seiner monumentalen Serie von Transkriptionen der neun Sinfonien Beethovens, die er als „Partitions de piano“ („Klavierpartituren“) bezeichnete. Dabei war es seine Absicht, auf dem Klavier eine möglichst genaue Wiedergabe der vielfältigen klanglichen Details des Originals zu erreichen oder, in Liszts eigenen Worten, „jede Feinheiten und kleineren Züge auf das Pianoforte“ zu übertragen. Heute sind uns die neun Sinfonien Ludwig van Beethovens vertrauter denn je. In Liszts spätem 19. Jahrhundert hingegen, als weder Tonträger noch regelmäßige Konzertaufführungen alltäglich war, waren solche Transkriptionen ein probates Mittel, um das Interesse an Beethoven aufrecht zu erhalten. Es ist dabei interessant, nachzuvollziehen, mit welcher Wertschätzung bei gleichzeitig sehr persönlicher Herangehensweise der jüngere Liszt sich mit den Partituren des verehrten Meisters auseinandersetzte. Durch seine Transkription wird der Blick auf Details gelenkt, die sonst leicht in den Orchesterstimmen untergehen, erscheint Vertrautes in neuem Licht. Für die Aufführung sämtlicher Sinfonie-Transkriptionen findet sich beim Klavier-Festival Ruhr eine ganze Riege versierter Beethoven- und Liszt-Experten ein. Der britische Pianist Alexander Ullman gilt seit dem Gewinn des Internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerb in Budapest 2011 und des Internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerb in Utrecht als Koryphäe in Sachen Liszt. 2019 gab er sein Debüt beim Klavier-Festival Ruhr u.a. mit Liszts Transkription von Beethovens Erstlings-Symphonie, die 63 Jahre nach der Komposition des Originals im Jahr 1800 entstand – natürlich ist er mit dieser und mit dem Repertoire-Liebling, der 3. Sinfonie „Eroica“, nun wieder zu erleben. Die junge Bulgarin Victoria Vassilenko gibt mit der Transkription der 4. Sinfonie ihr Debüt beim Klavier-Festival Ruhr. Die weiteren Pianisten des Abends waren schon regelmäßig beim Festival zu Gast – etwa der israelische Pianist Roman Rabinovich, der die Transkriptionen der 2. und der 8. Sinfonie aufführen wird, oder Louis Lortie, dessen Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten für Furore sorgte. Seine Aufführung der Transkription der 5. Sinfonie führt uns zurück in eine Zeit, als diese bekannteste aller Sinfonien – unglaublich aber wahr -  noch auf Hilfe zur Verbreitung angewiesen war. Die junge Pianistin Claire Huangci, Gewinnerin des ersten Preises sowie des Mozartpreises beim Concours Géza Anda 2018, zieht ihr Publikum durch „glitzernde Virtuosität, gestalterische Souveränität“ in ihren Bann, so die Salzburger Nachrichten. Im Reigen der großen Werke widmet sie sich der 6. und 7. Sinfonie. Joseph Moog liebt Liszt, vor allem „weil er ein Visionär war“. Seine Transkription des großen Finales, der 9. Sinfonie, zeigt eine interessant erschlankte Version des Originals. Wer es nicht selbst einmal gehört hat, mag sich kaum vorstellen, wie es möglich sein könnte, dieses umfangreiche Werk nur auf dem Klavier klingen zu lassen. Alle Transkriptionen zusammen zeigen die Meisterschaft beider Komponisten – des Meisters wie des jüngeren Bewunderers und Erneuerers der Klaviermusik. Für die Interpreten sind sie musikalisches Fest und Herausforderung zugleich.

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